Minister Spahn: Reden ist gut, Handeln ist besser

01.09.2019

Wahlkreis

Minister Spahn: Reden ist gut, Handeln ist besser
Foto: Ute Sommer --- Als "starkes Statement" wertete Landrat Jochen Hagt (3.v.re.) die Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (5.v.re.) bei der Jubiläumsfeier des Kreiskrankenhauses Waldbröl.
Quelle: Oberberg Aktuell | Vom 1. September 2019 | Von Ute Sommer

Die Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag des Kreiskrankenhauses Waldbröl startete mit einem Festakt, zu dem rund 150 Gäste aus Politik, Verwaltung, oberbergische Bürgermeister, ehemalige und aktuelle Verantwortungsträger geladen waren - unter ihnen NRW-Justizminister Peter Biesenbach, der CDU-Fraktionschef im NRW-Landtag, Bodo Löttgen, und Landrat Jochen Jagt. Klinikum-Oberberg-Geschäftsführer Sascha Klein freute sich besonders, als Festredner Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßen zu können. Hatte der Waldbröler Gastgeber mit anfänglichen Problemen in der Mikrophontechnik zu kämpfen, machte der Berliner Ehrengast kurzerhand aus der Not eine Tugend und referierte spontan ohne technische Unterstützung. Basierend auf dem medizinischen Fortschritt der zurückliegenden Jahrzehnte nehme die Lebenserwartung in Deutschland täglich um sechs Stunden zu, eine zunächst positive Entwicklung, die Gesellschaft und Politik allerdings vor neue Herausforderungen stelle.
"Zu einer ergebnisorientierten Debatte gehört es, auf Augenhöhe zu diskutieren, andere Meinungen auszuhalten und zu tragfähigen Kompromissen zu finden", formulierte Spahn als Grundbedingungen für konstruktiven Austausch auf allen Ebenen. Allerdings müssten aus fundierten Disputen, etwa über Organspende, die Pflegeproblematik oder die Impf-Frage endlich auch konkrete Entscheidungen resultieren, gab er Einblick in persönliche Begegnungen während seiner gerade abgeschlossenen Wahlkampftour vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. Dass sämtliche Veränderungen nur schrittweise realisiert werden könnten, sei angesichts der komplexen Sachlagen nur zu gut verständlich, aber "wenn positive Entwicklungen in Gang gesetzt werden, macht mich das als Minister glücklich".

Zur fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen forderte er die digitale Krankenakte auf Basis deutscher Sicherheits- und Rechtsstandards. "Wenn nicht wir gestalten, wird von außen gestaltet", warnte er vor dem Einfluss weltweit agierender Internetkonzerne. Mit Blick auf das 50-jährige Jubiläum des Kreiskrankenhauses, dessen künftiger Fortentwicklung und dem Handlungsbedarf im nationalen Gesundheitswesen appellierte der Bundesminister an die Zuhörer zu mehr Zuversicht, "denn es ist überall zu viel schlechte Laune unterwegs", sagte er unter dem Beifall aller Anwesenden. Bezüglich der aktuellen Bertelsmann-Studie, die eine Verringerung der Klinikanzahl bei besserer Patientenversorgung formuliert, bezeichnete es Landrat Jochen Hagt als "absurd und wirklichkeitsfern, dass in Oberberg nur ein Krankenhaus benötigt wird". Rückblickend stelle die Zusammenführung der Hospitäler Gummersbach und Waldbröl im Jahr 2007 zum Klinikum Oberberg, neben der medizinischen Flächenversorgung auch hochspezialisierte Fachversorgung des ländlichen Raumes sicher.

Mit dem Begriff der "Misstrauensbürokratie" titulierte Sascha Klein die administrative Überregulierung, deren maßloser Dokumentationsaufwand überproportional viel Zeit und Ressourcen binde. "Sie als Patienten können aber sicher sein, dass damals wie heute alles für sie getan wird", dankte er der 550-köpfigen Krankenhaus-Belegschaft für ihr ungeteiltes Engagement. Nach dem fast zweistündigen Festakt konnten sich Besucher bis 17 Uhr einen persönlichen Eindruck vom Waldbröler Versorgungsniveau machen, bei dem elf Fachabteilungen Blicke "hinter die Kulissen" ermöglichten. So standen beispielsweise in der Anästhesie sämtliche Fragen rund um die Narkose auf der Agenda, die Chirurgen luden ein, OP-Instrumente auszuprobieren, die Gastroenterologie veranschauliche Abläufe wahrend verschiedener Eingriffe. Absoluter Stargast allerdings war die WDR-Maus, die mit den kleinen Gästen Gipsen in der Notaufnahme ausprobierte oder Kindern das Reanimationstraining vermittelte.

Quelle: Oberberg Aktuell | Vom 1. September 2019 | Von Ute Sommer

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